Wuschewier

Ein Parcours der besonderen Art bietet Wuschewier zum Heimatfestival an. Die einstige Kneipe „Mirabelle“ wird kurzzeitig wiederbelebt. An den alten Bäcker wird übers Wochenende erinnert und Brot gebacken. Der Gesangsverein wird wieder Lieder erklingen lassen und der Feuerwehrverein, aus dem Schlaf geholt, eine Trockenübung machen. Auf der Wuschewiere werden Flöße zu Wasser gelassen. Eine Briefkastengalerie gibt Einblick in den dörflichen Alltag. Die Fäden für den Parcours durch Wuschewier halten das Künstlerpaar Julia Vogel und Stefan List in den Händen.
Am Abend wird es das Fest zum Heimatfestival in Wuschewier geben, mit Bands und Musik aus dem Oderbruch.


#DAS DORF DER ZUKUNFT

Das Dorf in seinem ursprünglichen Sinn ist Geschichte. Der autarke Mikrokosmos mit Bäcker, Kneipe, Post und Schule ist zersplittert, Aldi, Netto und Co. ersetzen die Selbstversorgung. Zentrale Einrichtungen trocknen die Umgebung aus. Eine starke Dorfgemeinschaft, die für sich sorgt, sich in Vereinen trifft und Feste feiert scheint passé. Jeder ist Einzelkämpfer, man braucht auch nicht mehr jeden, nicht mehr zwingend den Nachbarn, die Nachbarin. Was ist heute also noch Dorf, was kann das Landleben noch sein?


#DIE IDEE

Das Heimatfestival für Wuschewier ist weder unnahbare Kunst noch reines Volksfest. Es will für jeden greifbar sein und versteht sich daher als ein kulturelles Fest für und vor allem mit den Dorfbewohnern. Wie kann die Dorfgemeinschaft wieder ein Stück näher zusammenrücken, Brücken geschlagen und Hecken überwunden werden? Das Heimatfestival will Impulse setzen und Ideen dazu erlebbar machen.


#1 DAS BRIEFKASTENKINO

Kamera an! Wer zu Wort kommen möchte, der kommt zu Wort. Einige Dorfbewohner*innen, Alte und Junge, seit Generationen in Wuschewier Beheimatete oder erst frisch Zugezogene werden zu ihren Heimatgedanken interviewt. In langen Gesprächen werden Anekdoten und Erfahrungen wiederbelebt, wird Geschichte erlebbar gemacht, wird das Dorf in seine Einzelteile zerlegt, werden Enttäuschungen laut und Zukunftsvisionen gesponnen. An fünf verschiedenen Stellen des Dorfes stehen Briefkästen als Symbol für die persönliche Geschichte und Botschaft, in denen dann die Filme gezeigt werden.


#2 PERSÖNLICHER DORFRUNDGANG

Läuft man durch Wuschewier ploppen an jedem Ort kleine „Sprechblasen“ auf. Jede Bewohner*in hat etwas anderes erlebt, jede Besucher*in wird etwas anderes erleben. Geschichte ist dazu da, sie fortzuschreiben. Ein erweiterbarer Rundgang, an dem sich jeder verewigen kann, eine Notiz anbringen kann, eine Anekdote aus seinem Leben erzählen kann soll durch das Dorf führen. So ist jeder, der neu dazukommt, nicht nur erfürchtig vor der Geschichte, sondern ist Teil der Gegenwart und auch der Zukunft.


#3 DIE DORFKNEIPE

Wuschewier hat eine lange Kneipengeschichte. „Die Mirabelle“ war eine von zwei Kneipen des Dorfes, in der man sich nach einem harten Arbeitstag auf dem Feld traf, sich Geschichten erzählte und sein Feierabendbier trank. Noch bis in die 2010er war sie beliebter Ort der Geselligkeit. Elke und Wolfgang öffnen am Festivalwochenende nochmal ihre Pforten.


#4 DIE WUSCHEWIERE

Wuschewier wird von einem kleinen Fließ umrundet. Was zugewachsen und moddrig erscheint, war vor nicht allzu langer Zeit ein Ort, an dem gefeiert und in den Wettstreit gegangen wurde. An der naheliegenden Festwiese bauten die Männer des Dorfes Flöße aus alten Bierfässern und ließen diese zu Wasser. Ist es möglich, diese Traditionen wieder aufleben zu lassen?


#5 DAS SCHUL- UND BETHAUS

Das schönste Haus im Dorf, mit dem schönen Pfarrgarten hinten dran, wird von seinem Förderverein gehegt und gepflegt. Hier werden Gottesdienste abgehalten, Konzerte gespielt, Projekte verwirklicht. Für Geschichtsfreunde gibt es hier Führungen durch die alte Lehrerwohnung, den Kirchensaal und den Klassenraum. Zudem wird es ein digitales Klassenzimmer geben, in dem Besucher*innen erleben, wie Schule einmal war. Am Abend des ersten Heimatfestivaltages wird es hier im Garten Konzerte geben – mit Bands aus der Region und von außerhalb.


Und dann?

Was ist also das Dorf der Zukunft? Das haben wir uns gefragt, als wir vor fünf Jahren das hässlichste Haus des Dorfes kauften und unser Herz daran verloren. Eigentlich wollten wir nur Stadtflüchtige sein, Ferienhausbesitzer*innen, schnell wurde uns klar, Wuschewier war mehr für uns, eine neue Heimat, unser neues Zuhause, die Heimat für unsere Kinder. Und wir blieben also, luden die Dorfbewohner*innen zu uns nach Hause ein, schlossen sie allesamt ins Herz. Dies war auch der Grund, warum wir hier solch ein Fest machen wollten. Wir hören all die Geschichten von früher und fragen uns, was kann heut‘ wieder sein?