Golzow

Gemeinsam mit dem Filmmuseum „Kinder von Golzow“, dem neuen Regionalladen im Ort und interessierten Menschen wird Medienkünstler Bernhard Bauch aus Altlangsow ein Zeit-Triptychon für Golzow bauen. Eine Auseinandersetzung mit Menschen, Gegenständen und Geschichte(n), die den Bogen vom Gestern des Heimatmuseums bis zum Wunschorakel für Morgen spannt. Ein großes gemeinschaftliches Frühstück mitten im Ort bringt alles in Bewegung.

Zeit-Triptychon – Ein Stück Heimat

Gestern . Heute . Morgen
Heimatstube . Frühstück . Wunschorakel
eine Arbeit von Bernhard Bauch
im Rahmen des Heimatfestivals Oderbruch 2020

Abstrakt.
Eine Einleitung.

Diese Arbeit ist eine Auseinandersetzung mit Menschen, Gegenständen und Geschichte(n). Eine Betrachtung von dem was war, von dem was ist und von dem was bleibt. Die Zeit wird zu einem Raum, in dem Auseinandersetzung stattfinden kann. Dieser Raum streckt sich über Vergangenheiten, Gegenwarten und möglichen Zukunften.

Heimatstube . Frühstück . Wunschorakel.
Ein Stück in drei Akten, mit Zugabe.

Gestern.
Vergangenheit.
in der Heimatstube.

Das Oderbruch – ein einzigartiger Landstrich etwa 80 Kilometer östlich von Berlin. Die weiten Horizonte, die endlos scheinenden Felder, der weite freie Himmel, der große Teile des Blicks umspannt und hält – ein einfaches Gefühl von Freiheit, das das Oderbruch dominiert. Wird der Fokus vom Großen aufs Kleine gebracht, auf die Menschen, die menschlichen Gefilde und Geschichten, zeigt sich das Bruch von einer anderen Seite.

Zukunft? So etwas hab ich nicht.„, sagte eine etwa 60-jährige Person auf einem Weihnachtsmarkt im Jahr 2019 in Golzow.

Um mögliche Hintergründe dieser Aussage greifbar zu machen und so den Geschichten dieser Region einen Raum zu geben, wird im Rahmen des Heimatfestival Oderbruch 2020 eine temporäre Heimatstube in Golzow eingerichtet.

In dieser Stube, die an einen Wohnraum erinnert, befinden sich Einrichtungsgegenstände. An jedem dieser Gegenstand hängt eine Geschichte, eine persönliche. Der geschaffene Raum soll im Betrachter ein Gefühl von zu Hause (von „da heim“, wie man in Österreich sagt) erzeugen und gleichzeitig einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen.

Die ausgestellten Objekte und die dazugehörigen Erzählungen sind Leihgaben oder Spenden der Bewohnerinnen und Bewohnern von Golzow.

Heimatmakler beim Markt der Möglichkeiten in Golzow
„Heimatmakler“ in seinem Büro beim Markt der Möglichkeiten in Golzow

Heute.
Gegenwart.
Begegnung und Austausch.

Die Gegenwart ist der Moment. Im Moment finden Begegnung und Handlung statt.

Am Sonntag, den 14. Juni 2020, wird der Rahmen für Begegnung und Austausch mit einem gemeinschaftlichen Frühstück im öffentlichen Raum für Golzow geöffnet.

Vorallem die BewohnerInnen des Ortes sind eingeladen am Gemeinschaftsfrühstück teilzunehmen. JedeR bringt das eigene Essen und Trinken mit, es wird gegessen, gekostet und vor allem geredet und getauscht. Kaffee gegen Tee, Marmelade gegen Kuchenrezept, Käse statt Wurst, Kaviar gegen Gurke… Es gibt keine zentrale Organisation, jede Person darf selbst für das eigene Wohl sorgen, fast wie zu Hause am Küchentisch, hier aber in Gesellschaft. Ein Moment von Allen für Alle kann Gestalt annehmen.

Morgen.
Zukunft.
ein Ausblick.
(Wunschorakel)

Das Wunschorakel, eine Klanginstallation, fordert die BesucherInnen auf, die eigenen Wünsche an eine Zukunft, für ihr zu Hause, für ihre Heimat auszusprechen. Das Orakel nimmt diese Wünsche an und teilt sie später vorbeikommenden Menschen wieder mit.
Hat sich zuvor niemand was gewünscht, gibt es auch nichts zu hören.
Wird in der Gegenwart nicht gehandelt, dann gibt es auch keine Zukunft.

JedeR ist eingeladen, sich selbst zu fragen: Was wünsche ich mir für meine Umgebung, für meine Heimat, wo ich zu Hause bin, und was kann ich selbst dazu beitragen?

Die Zugabe.
eine Lesung.

Der Entstehungs- und Arbeitsprozess dieses Projekts wird in Form eines Tagebuchs vom Künstler festgehalten. Dieser Text beschreibt die innere und äussere Auseinandersetzung mit dem Projekt, den Menschen und der Region in Worten und Fotographien. Während der Veranstaltung am 13. und 14. Juni 2020 werden Ausschnitte in Form von literarischen Interventionen (Lesungen) präsentiert.

Über (den Autor)

Bernhard Bauch wurde 1982 in Wien geboren und lebt seit 2008 in Deutschland. Mit einem Umweg über Berlin ist er nun seit vier Jahren im Oderbruch.
Sein Medienkunst-Studium hat er in Wien an der Universität für angewandte Kunst begonnen und schließlich nach und vor einiger Zeit in Berlin an der Universität der Künste abgeschlossen.
Als Medienkünstler arbeitet er schon seit jeher medienübergreifend: In seinen Arbeiten treffen Objekt, Ton, Installation, Musik, Text, Performance und Netzkunst/Coding im Realen als auch im Virtuellen aufeinander.
In Berlin unterichtete er an der Freie Irrationale Universität im Feld Sound und Klang. Sowohl in Wien als auch in Berlin hat er sozial-kulturelle Vereine gegründet – denn damit etwas Neues entstehen kann, brauchen Menschen offene Räume um zusammenzukommen.